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Beschreibung

Gerade im großstädtischen Raum, gibt es kaum noch Räume, die nicht mit elektromagnetischen Feldern durchzogen sind. Meistens sind mehrere Handy- und WLAN-Netze verfügbar. Der Mensch ist in ein unsichtbares telematisches Netzwerk eingebettet, kann sich also jederzeit über diese verfügbaren Netzwerke mit anderen Menschen verlinken. Durch diese Datenstreuung kann er/sie aber auch zunehmend topografisch geortet werden.

disconnected at „paraflows 2007“

Mobile Kommunikationstechniken wie Laptop, Mobiltelefon und PDA führen zu einer Auflösung räumlich-zeitlicher Bindungen. Beim Telefonieren oder Chatten trifft man sich in einem Nicht-Raum, wobei die Umgebung, in der man sich tatsächlich befindet, eine untergeordnete Rolle spielt. Die Orte und ihre immanenten Funktionen verschwimmen – das Zuhause wird zum Büro, usw..

Der von zunehmender Mobilität gekennzeichnete Lebenswandel geht zwar mit einer Auflösung physischer Orte einher, bedingt jedoch gleichzeitig eine Ortbarkeit des Individuums innerhalb des telematischen Netzwerkes. Wie kann man trotz gesteigerter Mobilität der Ortbarkeit entfliehen oder einen privaten Rückzugsort in seiner Umgebung schaffen?

Die Arbeit “disconnected” besteht aus einem Zelt, dass mit dem Gewebe “E-Blocker” umhüllt, und so fast vollkommen gegen elektromagnetische Strahlung abgeschirmt ist, also die elektromagnetischen Felder, die von Hochspannungs- leitungen, Richt- und Rundfunksendern, Mobilfunk und Funkanwendungen wie z. B. WLAN, Bluetooth oder RFID verursacht werden. Innerhalb des Zeltes sind weder Handy- noch Internet- Funkdienste verfügbar.

Durch diese Eigenschaft, wird das Zelt zu einem Nicht-Raum, einem weißen Fleck in der Telekommunikations- topografie. Eine Ortung von Individuen, die sich innerhalb des Zeltes befinden, ist nicht mehr möglich. Außerdem kann Kommunikation mit anderen Personen nur im Innenraum des Zeltes stattfinden und abgesehen von akustischen Schwingungen, können Worte weder von innen nach außen, noch von außen nach innen dringen. So fungiert das Zelt als Schutzschild oder dritte Haut, die sich um den Menschen legt.

Ein Zelt ist eine nomadische Architektur. Durch die Leichtigkeit, die Einfachheit in der Konstruktion und durch die Reduktion auf das Wesentliche können Zelte immer wieder zu einem neuen, nur zeitweise lokalen Lebensmittelpunkt verlegt werden. Es ist eine flexible Architektur, die sich schnell an wechselnde Lebensumstände anpasst. So entspricht sie besonders unserem postindustriellen Nomadismus und der Forderung nach mehr Mobilität.

Dieses Zelt ist angelehnt an ein “Alachigh” – das Zelt der “Shah Savan” – ein Nomadenstamm, der im Nordwesten Irans lebt. Es ist eine abgewandelte Form eines Yurts, doch hat es demgegenüber den Vorteil, dass es den gleichen Raum mit weniger Holz schafft und dadurch einfacher zu transportieren ist.

technik und material

Zelt aus E-Blocker-Material, bereitgestellt von der Firma W. Zimmermann GmbH & Co. KG und Rattan-Stangen